Royal Enfield erweitert sein Modellportfolio und baut seinen bewährten Reihenzweizylinder mit 650 Kubikzentimeter Hubraum nun auch in seine geschichtsträchtige “Bullet” ein. Warum das trotzdem kein Traditionsbruch ist.
Die Royal Enfield Bullet gilt als eines der am längsten ununterbrochen produzierten Motorradmodelle der Welt. 1932 stellte das Unternehmen erstmals eine Maschine unter dem Namen Bullet vor – damals ein sportliches, leichtes Motorrad. 1948 debütierte die Royal Enfield Hinterradschwinge in der Bullet 350 Trial und wurde nach Wettkampfsiegen für straßentaugliche Modelle übernommen.
Ab 1955 war die Maschine, nach einigen weiteren technischen Weiterentwicklungen erstmals mit dem bis heute legendären 350 Kubikzentimeter großen Einzylinder ausgerüstet. Dazwischen gab es verschiedene Motorisierungen, auch ein Zweizylinder war damals schon darunter. Mit der Modellneuauflage 2023 führte Royal Enfield die Bullet zunächst wieder als Einzylinder ein.
Nun folgt also die Erweiterung auf die 650er Bullet. Damit geht RE denselben Weg wie bereits bei der Meteor und der Classic. Auch diese Modelle gibt es sowohl mit 350er Einzylinder, als auch mit 650er Zweizylinder. Darüber hinaus ist der Reihenzweizylinder seit 2018 auch in der Interceptor, der Continental GT und der Bear verbaut. Was folgt ist dieselbe Community-Diskussion wie bereits bei Meteor und Classic. Verwässert Enfield mit dem deutlich leistungsstärkeren, aber etwas ruhiger auffahrenden Zweizylinder sein eigenes Heritage? Nein!
Tradition vs Fortschritt: 650er Bullet bietet mehr Leistung bei deutlich höherem Gewicht
Zum Einen gibt es beide Konzepte weiterhin parallel. Zum anderen liefert Enfield mit der “großen” Bullet einen Mehrwert. Statt 20 PS und 27 Nm Drehmoment gehen nun 47 PS und 52 Nm an die Hinterachse. Das Ganze passiert allerdings bei 243 Kilo fahrfertig (Vergleich 350er: 195 Kilo fahrfertig). Von einer Rennsemmel zu sprechen wäre also überzogen. Beim Überholen bleibt dennoch ein wenig mehr Reserve.
Auch in Sachen Fahrkomfort rüstet Royal Enfield bei der 650er Bullet auf und spendiert der Maschine wie ihren gleich großen Schwestern Showa-Federbeine vorne. Hinten geht’s auf 18 Zoll, vorne mit einem 19 Zoll-Rad auf die Straße. Optisch geben sich beide Maschinen nichts: Es gibt wohl kaum einen Hersteller, der es aktuell schafft, moderne Classic Bikes in so ein historisch attraktives Gewand zu verpacken. Unter dem blechernen Kleid finden sich die bereits bekannten technischen Annehmlichkeiten wie ABS, E-Starter, ein USB-Port sowie LED-Scheinwerfer. Alles serienmäßig zum Preis von in Deutschland ab 7.340 Euro. Der Marktstart der einzig verfügbaren Farbe „Cannon Black“ wird voraussichtlich Anfang 2026 sein.
